Interview Pro Kinderrechte Kampagne: gbs

Published on August 26th, 2012 | by Cahit Kaya

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Giordano Bruno Stiftung startet Kinderrechtskampagne

 

Philipp MöllerDie Giordano Bruno Stiftung (kurz gbs) gründete einen “Arbeitskreis Kinderrechte”, welchem auch Philipp Möller angehört. Philipp Möller ist Pressereferent der gbs und Vorsitzender der Evolutionären Humanisten Berlin-Brandenburg e.V. Der Arbeitskreis Kinderrechte hat aus gegebenem Anlass zur Beschneidungsdebatte eine Plakatkampagne geplant. Im Interview erklärt uns Philipp Möller die Hintergründe dazu und was nun konkret passieren wird.

Anschließend zum Interview finden Sie die Kontaktdaten Philipp Möllers, falls Sie die Kampagne unterstützen wollen.

Das Interview führte Cahit Kaya.

 

Humanist News: Seit wann gibt es die Kampagne?

Philipp Möller: Die Idee für eine größere Kampagne der gbs gibt es schon lange. Seit mindestens zwei Jahren erreichen mich regelmäßig Anregungen für eine “zweite Buskampagne”. Wir haben immer gesagt, dass wir niemals eine Buskampagne 2.0 starten werden,  aber eine weitere säkulare Kampagne – klar! Lange fehlte ein Anlass für das Thema, aber die Reaktionen auf das Kölner Urteil waren schließlich eine echte Steilvorlage! Da konnte auch Michael Schmidt-Salomon, der anfangs noch Probleme mit dem Thema hatte, nicht mehr nein sagen.

Welche Probleme meinst du damit?

Philipp: Michael wurde im Alter von 17 Jahren aus medizinischen Gründen beschnitten und beschreibt heute, dass bei ihm lange der gleiche psychologische Mechanismus wie bei vielen anderen beschnittenen Männern gegriffen hat: um die eigene Situation nicht als nachteilhaft zu empfinden, bagatellisierte auch er den Vorgang und seine Folgen. Auf dem vergangenen Regionalgruppentreffen der gbs im Juni diesen Jahres ging er mit dem Thema noch etwas zurückhaltend um. Während seines Urlaubs überschlugen sich dann aber die Ereignisse: Religionsvertreter zeigten sich massiv entrüstet über das Urteil, Politiker fielen daraufhin weitgehend auf die Knie und die Presse griff das Thema dankbar auf. Als Michael aus seinem Urlaub zurückkam war klar: das wird unser Thema! Die Kinderrechtskampagne, die wir eigentlich erst 2013 starten wollten, musste sofort auf die Beine gestellt werden. Die Diskussion um die  Knabenbeschneidung war der beste Anlass dafür, und so arbeiteten wir im August mit Hochdruck an der Homepage, stellten die Spendenaktion auf und gaben Mittwoch, 22. August, also am Tag vor der Sitzung des Deutschen Ethikrats, eine entsprechende Pressemitteilung heraus.

Pro Kinderrechte Kampagne: gbs

Die Pro Kinderrechte Kampagne der “gbs” startete am 22. August

 

Was wollt ihr mit der Kampagne erreichen?

Philipp: Wie es sich für die gbs gehört, wollen wir erster Linie für Aufklärung sorgen. Ehrlicherweise muss ich dazu sagen, dass das Thema auch bei mir ein blinder Fleck war. Auch ich dachte irgendwie, eine freiliegende Eichel hätte hygienische Vorteile (was eindeutig widerlegt ist!), und von der Tatsache, dass die Amputation von ca. 60 – 70 % hochsensiblen Gewebes weitgehend ohne Betäubung stattfindet, habe ich nichts gewusst. Andere Menschen wussten darüber zum Glück besser Bescheid, wie Professor Holm Putzke, der nun Mitglied im “Arbeitskreises Kinderrechte” ist. Auf solche, und viele andere Fakten, die unmissverständlich gegen die Entfernung der Vorhaut bei Minderjährigen sprechen, wollen wir mit der Kampagne hinweisen.

Wo können sich Interessierte über die ganzen Hintergründe einer Beschneidung informieren?

Philipp: In unserem zentralen und ausführlichen FAQ-Dokument sind sämtliche Fragen und Missverständnisse rund um das Thema Beschneidung geklärt. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Eltern, die ihren Sohn beschneiden lassen wollen, noch einmal darüber nachdenken, wenn ihnen ein Arzt in aller Deutlichkeit sagt, dass die Operation für Kinder keinerlei Vorteile bringt, dafür aber teils erhebliche Risiken! Dazu gehören nicht nur die oft auftretenden Nachblutungen, sondern auch gefährliche Infektionen, bis hin zur Amputation der Eichel oder des gesamten Penis, oder schließlich der Tod des unfreiwilligen Patienten, der in den USA nach seriösen Schätzungen mehr als 110 mal pro Jahr vorkommt. Solche Dinge wussten viele Eltern bisher nicht und so haben sie ihre Söhne in dem Glauben, ihnen damit etwas Gutes zu tun, beschneiden lassen. Dies muss immer wieder erwähnt werden, um Eltern, die die Beschneidung bereits haben durchführen lassen, oder dies noch vor haben, nicht unnötig zu kriminalisieren, sondern ihnen mit sachlichen Argumenten zu erklären, dass sie ihren Sohn mit einem solchen Eigriff unnötigen Gefahren aussetzen. Unser Signal an den Gesetzgeber ist dagegen deutlich schärfer: Für die medizinisch nicht indizierte Amputation eines gesunden, funktionalen Körperteils bei nicht einwilligungsfähigen Patienten – denn das ist die Zirkumzision! – darf es keine gesetzliche Ausnahme geben! Vielmehr müssen die Söhne von Eltern muslimischen oder jüdischen Glaubens den gleichen gesetzlichen Schutz genießen, wie alle anderen Kinder auch!

Gibt es bereits erste Erfolge?

Philipp: Ich halte schon das Urteil aus Köln für einen Erfolg, weil es viele Menschen dazu bewegt hat, sich erstmalig mit dem Thema auseinander zu setzen. Wir können in Umfragen, Forumsbeiträgen oder Leserbriefen außerdem gut beobachten, dass ein Großteil der in Deutschland lebenden Menschen – um nicht zu sagen: der Wählerinnen und Wähler! – sich selbstverständlich und vehement dafür ausspricht, die körperliche Unversehrtheit der  wehrlosesten Mitglieder unserer Gesellschaft vor religiösen oder kulturellen Bräuchen zu schützen. So kam es wohl auch zu dem immens hohen Spendenaufkommen unserer Kampagne in Höhe von 12.000 Euro in nur vier Tagen! Auf der anderen Seite kann man sich als Befürworter von Kinderrechten nur an den Kopf fassen, wenn man die Aussagen vieler Politiker, Journalisten oder nun auch der Mitglieder des Ethikrates hört. Mit einer geradezu schamlosen Dreistigkeit wird die Beschneidung nach wie vor bagatellisiert, werden vollkommen falsche Fakten dargestellt und schließlich soll die Religionsfreiheit der Eltern offensichtlich auf deren Kinder ausgeweitet werden. Ein absoluter Skandal, der in der Kirchenrepublik Deutschland, regiert von Spitzengläubigen, leider nicht weiter verwunderlich ist. Die Bedingungen, die der Ethikrat als Empfehlung abgegeben hat, sind zwar ein Fortschritt – aber weniger schlecht ist eben immer noch nicht gut!

Ist die Beschneidung nur der Anfang der Kampagne, oder folgen weitere Aktionen zu Kinderrechten?

Philipp: Wie am Namen der Kampagne bereits gut zu erkennen ist, werden wir uns auch über die Beschneidung hinaus für das Recht von Kindern einsetzen, von einer religiösen Brandmarkung verschont zu werden – aber mehr möchte ich hier noch gar nicht verraten.

Vielen Dank für das Interview!

 

Wer die gbs bei dieser Kampagne unterstützen möchte, findet anbei alle Kontaktdaten:

Philipp Möller
Pressereferent der gbs )))
Vorsitzender des EHBB e.V.
0178 88 77 663
p.moeller@giordano-bruno-stiftung.org
Kiefholzstraße 1
12435 Berlin
hpd.de/podcast
facebook.com/gbs.org

Cahit KayaAutor: Cahit Kaya (69 Posts)

Früher war ich Moslem, heute bin ich Humanist.
Meine Schwerpunkte: Islam, Menschenrechte und Migration.
Ich engagiere mich auch für die Initiative Ex-Muslime www.exmuslime.at


 

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Cahit Kaya

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5 Responses to Giordano Bruno Stiftung startet Kinderrechtskampagne

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